Dieses heute vor uns stehende Haus wurde originalgetreu restauriert und sieht heute genauso aus, wie es zum Wiederaufbau ab 1913 errichtet wurde.
Nachdem das Vorgängerhaus in Fachwerkbauweise 1912 einem Großbrand zum Opfer fiel, wurde dieses Haus in den Folgejahren anstelle des Alten hier errichtet.
Emil Wagner war vor dem Brand Besitzer des Hauses. Er bezeichnet sich im eigenen Briefkopf als Spielwarenhersteller mit Spezialisierung auf Tivoli-, Schach- und Damenbrettfabrikation.
Aus uns erhalten gebliebenen Akten geht hervor, dass Emil Wagner aus Borstendorf stammte und vermutlich die Spielbrettherstellung von dort mitbrachte. Amtsbriefe aus dieser Zeit lassen große Geldprobleme bei Wagner vermuten, so hat er illegal ohne Genehmigung seinen Elektromotorenantrieb für die Holzbearbeitungsmaschinen installiert und ihm wird mehrmals eine Strafe angedroht, weil er seine bei ihm angestellten Arbeiter nicht bei der Pflichtversicherung der Berufsgenossenschaft angemeldet hat. Einige Zeit später steht das gesamte Werksgebäude mit Anbau in Flammen und wird vernichtet.
Der Neubau wird dann laut Bauzeichnung ab 1913 durchgeführt. Wie schon im abgebrannten Vorgängerhaus wird ein Teil des Gebäudes neben Wohnzwecken zur Herstellung von Holzspielwaren genutzt. Der Spielwarenverfertiger Johannes Ulbricht wird in den Jahren bis zum 2. Weltkrieg als Hausbesitzer aufgeführt, in der DDR-Zeit werden unter der Firma von Klaus Wagner Holzwaren verschiedener Art, aber vor allem Holzkästchen mit Intarsien, hergestellt. 2010 hat Familie Baldauf das Grundstück erworben und dieses sehr schöne, authentische Aussehen des Hauses wieder hergestellt.
Ein früherer Mühlenstandort ist auf diesem Grundstück durch Bauzeichnungen belegt. Um 1850 wurde hier noch, wie an vielen anderen Standorten, mithilfe der Wasserkraft des Dorfbaches gesägt und gedrechselt.
Besitzer des Grundstückes zu dieser Zeit war Johann Karl Ernst Hähnel. Der Mühlenteich fürs Mühlrad befand sich bachaufwärts im Grundstück auf der kleinen Anhöhe und ist heute noch zu erahnen. Über Querrinnen wurde Wasser für den Teich vom Dorfbach etwa 50 m weiter oben abgeleitet. Vom Teich wurde das Wasser über Leitungen auf das im Keller eines Anbaus befindliche Mühlrad gelassen und dann unterhalb des Hauses dem Dorfbach wieder zugeführt.
Wie auch bei vielen anderen Häusern hier auf der Mühlenstraße kann das Baujahr des abgebrannten Hauses leider nicht genau bestimmt werden. Vor 1800 ist jedoch sehr realistisch, da auf den Sächsischen Meilenblättern von 1788 hier ein Haus eingezeichnet ist.

