Die Spanziehmühle

Alte Hausnummer: 8
T-Nr.: G52

Die Spanziehmühle

Alte Hausnummer: 8
T-Nr.: G52

Oben am Wildenstein, auf etwa 540 Metern Höhe, entspringen die Quellen des Grünhainichener Dorfbaches, der das Dorf terrassenförmig durchzieht und ihm sein einzigartiges Gepräge verleiht. Seit Jahrhunderten nutzten Drechsler und Spielzeugmacher seine Wasserkraft – noch um 1890 trieben fünf Räder Werkzeuge an. Erhalten blieb nur die Spanziehmühle, die 1650 erstmals urkundlich genannt wurde, vermutlich aber älter ist.

Schon 1695 wurde ein Spanhobel bezeugt, und 1742 wurde berichtet, dass Lehrer Fischer nach dem Unterricht beim Späneziehen half – Anlass für Spott in den Nachbardörfern, sie dichteten: „Ach Gott, vom Himmel sieh darein und laß Dich des erbarmen, ein Spänzieher soll unser Schulmeister sein, verlassen sind wir Armen“

Mit Fischers Tochter gelangte die Mühle 1789 an Karl Gottlob Enger, dessen Familie sie über Generationen prägte. 1857 ließ Karl Friedrich Wilhelm Enger die Mühle so umbauen, wie sie Zeichnung der Engerschen Spanmühle von Kurt Franz Schneider ca. 1970 heute noch weitgehend erhalten ist. Das dort gezogene Buchenspan-Halbzeug war Grundlage für Trommelreifen, Siebränder, Schuhsohlen und vor allem für Spanschachteln, in denen die berühmten Grünhainichener Spielwaren verpackt wurden – begehrte Produkte auf der Leipziger Messe. Nach 1945 wurde das Sortiment durch Wilhelm Enger deutlich erweitert, da er als Drechslermeister auch verschiedenste gedrehte Weihnachtsartikel und Spielsachen fertigen konnte. Sporadisch wurde bis 1976 noch gearbeitet, doch mit dem Tod Wilhelm Engers 1988 endete das Handwerk. Die Mühle verfiel zusehends.

1992 übernahmen Ursel und Hermann Grimm das Ensemble von der Familie Enger, restaurierten Gebäude und Mühlentechnik vollständig und eröffneten die Gaststätte „Schachtelstübchen“. 1994 lief das neue Wasserrad an, das 3,5 Meter große Herz der Anlage. Doch nach 2009 verstummte die Mühle erneut. Familie Pohl erwarb sie 2014, wandelte sie denkmalgerecht zum Wohnhaus um und erhielt die historische Technik. 2024 ging das Wasserrad nach einem gescheiterten Restaurationsversuch verloren – geblieben ist ein einzigartiges Zeugnis erzgebirgischer Wasser- und Handwerksgeschichte.

Oben am Wildenstein, auf etwa 540 Metern Höhe, entspringen die Quellen des Grünhainichener Dorfbaches, der das Dorf terrassenförmig durchzieht und ihm sein einzigartiges Gepräge verleiht. Seit Jahrhunderten nutzten Drechsler und Spielzeugmacher seine Wasserkraft – noch um 1890 trieben fünf Räder Werkzeuge an. Erhalten blieb nur die Spanziehmühle, die 1650 erstmals urkundlich genannt wurde, vermutlich aber älter ist.

Schon 1695 wurde ein Spanhobel bezeugt, und 1742 wurde berichtet, dass Lehrer Fischer nach dem Unterricht beim Späneziehen half – Anlass für Spott in den Nachbardörfern, sie dichteten: „Ach Gott, vom Himmel sieh darein und laß Dich des erbarmen, ein Spänzieher soll unser Schulmeister sein, verlassen sind wir Armen“

Mit Fischers Tochter gelangte die Mühle 1789 an Karl Gottlob Enger, dessen Familie sie über Generationen prägte. 1857 ließ Karl Friedrich Wilhelm Enger die Mühle so umbauen, wie sie Zeichnung der Engerschen Spanmühle von Kurt Franz Schneider ca. 1970 heute noch weitgehend erhalten ist. Das dort gezogene Buchenspan-Halbzeug war Grundlage für Trommelreifen, Siebränder, Schuhsohlen und vor allem für Spanschachteln, in denen die berühmten Grünhainichener Spielwaren verpackt wurden – begehrte Produkte auf der Leipziger Messe. Nach 1945 wurde das Sortiment durch Wilhelm Enger deutlich erweitert, da er als Drechslermeister auch verschiedenste gedrehte Weihnachtsartikel und Spielsachen fertigen konnte. Sporadisch wurde bis 1976 noch gearbeitet, doch mit dem Tod Wilhelm Engers 1988 endete das Handwerk. Die Mühle verfiel zusehends.

1992 übernahmen Ursel und Hermann Grimm das Ensemble von der Familie Enger, restaurierten Gebäude und Mühlentechnik vollständig und eröffneten die Gaststätte „Schachtelstübchen“. 1994 lief das neue Wasserrad an, das 3,5 Meter große Herz der Anlage. Doch nach 2009 verstummte die Mühle erneut. Familie Pohl erwarb sie 2014, wandelte sie denkmalgerecht zum Wohnhaus um und erhielt die historische Technik. 2024 ging das Wasserrad nach einem gescheiterten Restaurationsversuch verloren – geblieben ist ein einzigartiges Zeugnis erzgebirgischer Wasser- und Handwerksgeschichte.

Verknüpfte Wanderungen:

Grünhainichener Heimatverein e.V.; Text: Fam. Pohl; Bilder: Fam. Pohl / Dirk Pigorsch / Grünhainichener Heimatverein e.V.