Die Mühlenhistorie und -standorte der Mühlenstrasse

Alte Hausnummer:
T-Nr.: G53

Die Mühlenhistorie und -standorte der Mühlenstrasse

Alte Hausnummer:
T-Nr.: G53

Mit einem „Glück zu“ begrüßen wir Sie ganz herzlich hier am 2025 neu geschaffenen Mühlrad.

„Glück zu“ war der Gruß der Mühlenhandwerker und Mühlenbesitzer. Die Mühlenhandwerker gingen nach ihrer Lehre einige Zeit auf Wanderschaft, um in anderen Mühlen zu arbeiten und somit so viel wie möglich Kenntnisse über die in jeder Mühle etwas andere Technik der Mühlenmechanik zu erlangen.

Gut gewappnet als Geselle kehrten die Handwerker dann nach Hause zurück. Man wünschte dem anderen eine gute Reise zur nächsten Mühle oder eine sichere Heimkehr, dem Mühlenbesitzer wünschte man immer viele Aufträge, und nie soll ein Unwetter zu viel Wasser an die Mühle bringen. Mit dem Gruß „Glück zu“ meinte man, das Glück soll dem anderen zufliegen.

Da es wesentlich mehr Bergmänner im Erzgebirge gab als Mühlenhandwerker, setzte sich der Bergmannsgruß „Glück auf“ als volkstümlicher Gruß der Erzgebirger durch und wird bis in die heutige Zeit benutzt, obwohl es kaum noch aktive Bergleute gibt.

Mit dem Blickfang des nach historischem Vorbild gefertigten Mühlrades hier am Standort, wollen wir als Grünhainichener Heimatverein an die fast in Vergessenheit geratene Mühlenhistorie unseres Ortes erinnern.

Eine mit Wasserkraft betriebene Brettmühle wurde 1544 in den sächsischen Amtserbbüchern (zusammengefasste Lehenbriefe im Repertorium Saxonium) in Grünhainichen genannt, 12 Fuhrbretter waren jährlich als Abgabe zu leisten und beim Amt Schellenberg (heute Augustusburg) abzugeben.

Diese Brettmühle stand etwa 130 m entfernt von hier auf dem Mühlenplatz. Nach der Ersterwähnung von Grünhainichen 1349 waren dann bei den 1544 im Repertorium Saxonium aufgeführten Daten über Grünhainichen schon Mühlenerzeugnisse dabei. Es ist also davon auszugehen, dass schon zeitnah nach der Besiedlung Mühlen mit Wasserkraftantrieb den Menschen hier zur Verfügung standen, um das wichtigste Baumaterial für die Häuser (Balken und Bretter) herstellen zu können.

In der Folgezeit der nächsten Jahrhunderte waren in den uns zur Verfügung stehenden historischen Akten auch entlang des Dorfbaches Mühlen zu finden. Die Spahnziehmühle wurde 1650 ersterwähnt, und etwas später eine Farbreibemühle nur etwa 50 m bachaufwärts. Es ist auch gut möglich, dass diese Mühlen ebenso alt sind wie die Brettmühle auf dem Mühlenplatz und nur nicht urkundlich erfasst wurden. In den historischen Akten war zu sehen, dass diese frühen Mühlen mit einem zusätzlichen Schrotgang ausgestattet waren, der es ermöglichte, zeitweise Getreide zu mahlen, was sicherlich zur Erntezeit der Fall war. Im darauffolgenden Winter wurde dann wieder Holzbearbeitung oder Farbherstellung betrieben.

Überliefert ist auch ein Standort an der heutigen Mühlenstraße 10, wo 1727 kleine Drehbänke direkt mit Wasserrädern angetrieben wurden, um Holzpfeifen zu drechseln. Die Holzbearbeitung sollte dann im 19. Jahrhundert die größte Rolle spielen. Nur ca. 100 m bachaufwärts und -abwärts von hier, auf diesem kleinen Bachabschnitt, befanden sich 4 Mühlen, die nur für die Holzbearbeitung errichtet wurden. Mit Wasserkraft wurden Zirkelsägen (Kreissägen) und Drechselbänke angetrieben. Die historischen Akten sagten aus, dass die Mühlenräder hier in Anbauten an Gebäuden oder in Holzhäusern ohne festes Mauerwerk zu finden waren. Über sogenanntes „ziehendes und treibendes Zeug“ wurde dann die Kraft bis zur Kreissäge oder zur Drechselbank weitergegeben. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserkraft als Antrieb genutzt. Um immer genügend Wasser zur Verfügung zu haben, wurden die Wasserräder meist aus einem Mühlenteich versorgt.

Durch die Einführung des Stroms in Grünhainichen ab 1894 wurde dann der Wasserradantrieb recht zügig durch den Elektromotorenantrieb ersetzt. Die aufwendige Pflege des Mühlenteiches und des Mühlrades nebst der Übertragungstechnik war dann nicht mehr notwendig. Die modernere und effizientere Technik des Elektromotorenantriebs setzte sich durch.

Erklärungen zur Karte:

Legende

gelb – Standort

grün – Mühlenexistenz und -standort belegt

lila – Mühlenexistenz belegt, Standort überliefert

rot – Mühlenexistenz und -standort überliefert

blau – Teiche, oberirdischer Bachlauf, Flöha-Fluss

1 Pfeifendreherhaus

Die Ortschronik überliefert kleine Drehhäuschen, die auf dem offenen Bach standen und direkt vom Bachwasser, ohne aufwendigen Mühlenteich angetrieben wurden. Hergestellt wurden kleine Pfeifen, ähnlich einer Flöte. 1727 wurde Johann Gottfried Oehme als Erbauer und Betreiber von mind. 3 Drehhäuschen genannt. Spätestens mit der Verschließung des Dorfbaches um 1850 verschwanden sie.

2 Farbreibemühle

Schon in der ersten vorhandenen Steuerliste von 1784 wurde die Farbreibemühle unter Johann Paul Enger erwähnt. Vermutlich ist die Mühle aber wesentlich älter. Erden verschiedener Farbtöne wurden zu Farben gerieben. Es konnte wahlweise auch ein Schrotgang zum Mahlen von Getreide angetrieben werden. Der Mühlenteich befand sich weit oberhalb im Ort, das Wasser musste über eine lange Strecke zugeführt werden.

3 Spanziehmühle

Die einzig heute noch erhaltene Mühle wurde 1650 erstmals urkundlich erwähnt, ein Spanhobel wurde 1695 bezeugt. Die Mühle verfügte ebenfalls über einen zusätzlichen Schrotgang zum Mahlen von Getreide. Von 1789 bis 1992 war sie im Besitz von Fam. Enger. Die gezogenen Buchenspäne waren zuerst Grundlage für Trommelreifen, Siebränder und Spanschachteln, später wurde das Sortiment auf Weihnachtsartikel und Spielsachen erweitert.

4 Drehmühle

1854 wurde im Brandversicherungskataster eine wasserradbetriebene Drechselwerkstatt im Gebäudeanbau versichert. Das Haus selbst ist wesentlich älter. Der Mühlenteich befand sich bergan hinter dem Haus und wurde über einen Wasserlauf, der über die Straße ging, ca. 150 m oberhalb aus dem Dorfbach gespeist.

5 Drehmühle

Die Ortschronik überliefert eine Drechselwerkstatt mit bis zu 6 Drechselbänken, die sich vermutlich zwischen dem jetzigen Mühlradmodell und dem Wohnhaus oberhalb befunden hat. Hier wurden in Auftragsarbeit alle möglichen hölzernen Fabrikate hergestellt. Der Mühlenteich befand sich oberhalb des Wohnhauses. Die Mühle im Besitz der Gebr. Oehme ist 1854 im Brandversicherungskataster ersichtlich und muss anschließend aufgegeben worden sein.

6 Drehmühle

Über Querrinnen wurde der oberhalb gelegene Mühlenteich vom Dorfbach gespeist. Vom Teich wurde dann das Wasser über einen Wasserlauf auf das im Keller des Anbaus befindliche Wasserrad geleitet und damit eine Drechselstelle angetrieben. Die Wasserführung geht aus einer Bauzeichnung von vor 1900 hervor.

7 Zirkelsägenmühle

Im Brandversicherungskataster von 1854 war eine wasserradbetriebene Zirkelsäge (Kreissäge) mit ihrem ziehenden und treibenden Zeug versichert. Vermutlich befand sich diese Mühle genau an der Stelle der jetzigen Eisenbahnstrecke.

8 Brettmühle

In der ersten detaillierten Beschreibung des Ortes im Lehenbrief von Herzog Moritz von 1544 wurde die Brettmühle bereits erwähnt. 12 Fuhrbretter mussten jährlich ans Amt Schellenberg (heute Augustusburg) geliefert werden. In der Mühle wurden mit der Wasserkraft der Flöha, Baumstämme zu Balken und Brettern gesägt. Auch hier war ein zusätzlicher Schrotgang zum Mahlen von Getreide vorhanden.

Mit einem „Glück zu“ begrüßen wir Sie ganz herzlich hier am 2025 neu geschaffenen Mühlrad.

„Glück zu“ war der Gruß der Mühlenhandwerker und Mühlenbesitzer. Die Mühlenhandwerker gingen nach ihrer Lehre einige Zeit auf Wanderschaft, um in anderen Mühlen zu arbeiten und somit so viel wie möglich Kenntnisse über die in jeder Mühle etwas andere Technik der Mühlenmechanik zu erlangen.

Gut gewappnet als Geselle kehrten die Handwerker dann nach Hause zurück. Man wünschte dem anderen eine gute Reise zur nächsten Mühle oder eine sichere Heimkehr, dem Mühlenbesitzer wünschte man immer viele Aufträge, und nie soll ein Unwetter zu viel Wasser an die Mühle bringen. Mit dem Gruß „Glück zu“ meinte man, das Glück soll dem anderen zufliegen.

Da es wesentlich mehr Bergmänner im Erzgebirge gab als Mühlenhandwerker, setzte sich der Bergmannsgruß „Glück auf“ als volkstümlicher Gruß der Erzgebirger durch und wird bis in die heutige Zeit benutzt, obwohl es kaum noch aktive Bergleute gibt.

Mit dem Blickfang des nach historischem Vorbild gefertigten Mühlrades hier am Standort, wollen wir als Grünhainichener Heimatverein an die fast in Vergessenheit geratene Mühlenhistorie unseres Ortes erinnern.

Eine mit Wasserkraft betriebene Brettmühle wurde 1544 in den sächsischen Amtserbbüchern (zusammengefasste Lehenbriefe im Repertorium Saxonium) in Grünhainichen genannt, 12 Fuhrbretter waren jährlich als Abgabe zu leisten und beim Amt Schellenberg (heute Augustusburg) abzugeben.

Diese Brettmühle stand etwa 130 m entfernt von hier auf dem Mühlenplatz. Nach der Ersterwähnung von Grünhainichen 1349 waren dann bei den 1544 im Repertorium Saxonium aufgeführten Daten über Grünhainichen schon Mühlenerzeugnisse dabei. Es ist also davon auszugehen, dass schon zeitnah nach der Besiedlung Mühlen mit Wasserkraftantrieb den Menschen hier zur Verfügung standen, um das wichtigste Baumaterial für die Häuser (Balken und Bretter) herstellen zu können.

In der Folgezeit der nächsten Jahrhunderte waren in den uns zur Verfügung stehenden historischen Akten auch entlang des Dorfbaches Mühlen zu finden. Die Spahnziehmühle wurde 1650 ersterwähnt, und etwas später eine Farbreibemühle nur etwa 50 m bachaufwärts. Es ist auch gut möglich, dass diese Mühlen ebenso alt sind wie die Brettmühle auf dem Mühlenplatz und nur nicht urkundlich erfasst wurden. In den historischen Akten war zu sehen, dass diese frühen Mühlen mit einem zusätzlichen Schrotgang ausgestattet waren, der es ermöglichte, zeitweise Getreide zu mahlen, was sicherlich zur Erntezeit der Fall war. Im darauffolgenden Winter wurde dann wieder Holzbearbeitung oder Farbherstellung betrieben.

Überliefert ist auch ein Standort an der heutigen Mühlenstraße 10, wo 1727 kleine Drehbänke direkt mit Wasserrädern angetrieben wurden, um Holzpfeifen zu drechseln. Die Holzbearbeitung sollte dann im 19. Jahrhundert die größte Rolle spielen. Nur ca. 100 m bachaufwärts und -abwärts von hier, auf diesem kleinen Bachabschnitt, befanden sich 4 Mühlen, die nur für die Holzbearbeitung errichtet wurden. Mit Wasserkraft wurden Zirkelsägen (Kreissägen) und Drechselbänke angetrieben. Die historischen Akten sagten aus, dass die Mühlenräder hier in Anbauten an Gebäuden oder in Holzhäusern ohne festes Mauerwerk zu finden waren. Über sogenanntes „ziehendes und treibendes Zeug“ wurde dann die Kraft bis zur Kreissäge oder zur Drechselbank weitergegeben. Bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserkraft als Antrieb genutzt. Um immer genügend Wasser zur Verfügung zu haben, wurden die Wasserräder meist aus einem Mühlenteich versorgt.

Durch die Einführung des Stroms in Grünhainichen ab 1894 wurde dann der Wasserradantrieb recht zügig durch den Elektromotorenantrieb ersetzt. Die aufwendige Pflege des Mühlenteiches und des Mühlrades nebst der Übertragungstechnik war dann nicht mehr notwendig. Die modernere und effizientere Technik des Elektromotorenantriebs setzte sich durch.

Erklärungen zur Karte:

Legende

gelb – Standort

grün – Mühlenexistenz und -standort belegt

lila – Mühlenexistenz belegt, Standort überliefert

rot – Mühlenexistenz und -standort überliefert

blau – Teiche, oberirdischer Bachlauf, Flöha-Fluss

1 Pfeifendreherhaus

Die Ortschronik überliefert kleine Drehhäuschen, die auf dem offenen Bach standen und direkt vom Bachwasser, ohne aufwendigen Mühlenteich angetrieben wurden. Hergestellt wurden kleine Pfeifen, ähnlich einer Flöte. 1727 wurde Johann Gottfried Oehme als Erbauer und Betreiber von mind. 3 Drehhäuschen genannt. Spätestens mit der Verschließung des Dorfbaches um 1850 verschwanden sie.

2 Farbreibemühle

Schon in der ersten vorhandenen Steuerliste von 1784 wurde die Farbreibemühle unter Johann Paul Enger erwähnt. Vermutlich ist die Mühle aber wesentlich älter. Erden verschiedener Farbtöne wurden zu Farben gerieben. Es konnte wahlweise auch ein Schrotgang zum Mahlen von Getreide angetrieben werden. Der Mühlenteich befand sich weit oberhalb im Ort, das Wasser musste über eine lange Strecke zugeführt werden.

3 Spanziehmühle

Die einzig heute noch erhaltene Mühle wurde 1650 erstmals urkundlich erwähnt, ein Spanhobel wurde 1695 bezeugt. Die Mühle verfügte ebenfalls über einen zusätzlichen Schrotgang zum Mahlen von Getreide. Von 1789 bis 1992 war sie im Besitz von Fam. Enger. Die gezogenen Buchenspäne waren zuerst Grundlage für Trommelreifen, Siebränder und Spanschachteln, später wurde das Sortiment auf Weihnachtsartikel und Spielsachen erweitert.

4 Drehmühle

1854 wurde im Brandversicherungskataster eine wasserradbetriebene Drechselwerkstatt im Gebäudeanbau versichert. Das Haus selbst ist wesentlich älter. Der Mühlenteich befand sich bergan hinter dem Haus und wurde über einen Wasserlauf, der über die Straße ging, ca. 150 m oberhalb aus dem Dorfbach gespeist.

5 Drehmühle

Die Ortschronik überliefert eine Drechselwerkstatt mit bis zu 6 Drechselbänken, die sich vermutlich zwischen dem jetzigen Mühlradmodell und dem Wohnhaus oberhalb befunden hat. Hier wurden in Auftragsarbeit alle möglichen hölzernen Fabrikate hergestellt. Der Mühlenteich befand sich oberhalb des Wohnhauses. Die Mühle im Besitz der Gebr. Oehme ist 1854 im Brandversicherungskataster ersichtlich und muss anschließend aufgegeben worden sein.

6 Drehmühle

Über Querrinnen wurde der oberhalb gelegene Mühlenteich vom Dorfbach gespeist. Vom Teich wurde dann das Wasser über einen Wasserlauf auf das im Keller des Anbaus befindliche Wasserrad geleitet und damit eine Drechselstelle angetrieben. Die Wasserführung geht aus einer Bauzeichnung von vor 1900 hervor.

7 Zirkelsägenmühle

Im Brandversicherungskataster von 1854 war eine wasserradbetriebene Zirkelsäge (Kreissäge) mit ihrem ziehenden und treibenden Zeug versichert. Vermutlich befand sich diese Mühle genau an der Stelle der jetzigen Eisenbahnstrecke.

8 Brettmühle

In der ersten detaillierten Beschreibung des Ortes im Lehenbrief von Herzog Moritz von 1544 wurde die Brettmühle bereits erwähnt. 12 Fuhrbretter mussten jährlich ans Amt Schellenberg (heute Augustusburg) geliefert werden. In der Mühle wurden mit der Wasserkraft der Flöha, Baumstämme zu Balken und Brettern gesägt. Auch hier war ein zusätzlicher Schrotgang zum Mahlen von Getreide vorhanden.

Verknüpfte Wanderungen:

Grünhainichener Heimatverein e.V.