Hier an diesem Standort, der heute als Freifläche für Zusammenkünfte, Kinderspielplatz und insektenfreundliche Naturkräuterwiese genutzt wird, standen früher nacheinander mindestens 2 Gebäude. Es ist davon auszugehen, dass es aber sicher noch mehr waren, wenn man die lange Besiedlungsgeschichte von Grünhainichen betrachtet.
Das letzte Gebäude, das im Volksmund „Skihotel“ genannt wurde, hat Fam. Nüßler 2020 erworben und zurückgebaut. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Hotelgebäuden in Wintersportgebieten hatte es den etwas kuriosen Kosenamen erhalten.
1930 als Fabrikgebäude für die Gebrüder Rudolph errichtet, diente es zur Produktion von hölzernen Handwägen verschiedenster Art.
Aber schon bald, vermutlich durch den 2. Weltkrieg, kam es zur Beendigung der Wagenproduktion. Das Haus wurde nun wie viele andere Gebäude in Grünhainichen als reines Wohnhaus weitergeführt.
Es war zwar ein recht großes Gebäude, aber die heute kaum vorstellbare Menge von 14 Wohnungen soll zu Spitzenzeiten im „Skihotel“ vorhanden gewesen sein. Diese Nutzungsphase des Gebäudes erfolgte unter der Regie der Gemeinde Grünhainichen, von der Nachkriegszeit über die Wiedervereinigung hinaus bis 2020.
Das Vorgängerhaus des Skihotels ist uns als Wohngebäude in Fachwerkbauweise mit Anbau für gewerbliche Zwecke bekannt. Letzte Besitzer waren ebenfalls die Wagenfabrikanten Gebrüder Rudolph.
Dieses Fachwerkhaus war zur Einführung des Grundbuches um 1840 schon vorhanden, deshalb ist das Baujahr leider nicht genau bestimmbar, liegt aber deutlich vor 1800, da es in historischen Akten um 1780 bereits geführt war.
Im Brandversicherungskataster von 1854 ist im Gebäudeanbau eine wasserradbetriebene Drechselwerkstatt versichert. Demzufolge war hier einer von den uns bekannten Mühlenstandorten entlang des Dorfbaches. Der Mühlenteich befand sich bergan hinter dem Haus. Über einen Wasserlauf, entlang der Einfahrt des links von uns befindlichen Nachbarhauses, wurde er vom Dorfbach aus gespeist. Als Besitzer der Drehmühle ist Johann Karl Christoph Grauschupp aufgeführt.
Nach der Einführung des Stroms in Grünhainichen 1895 stellten die allermeisten Handwerksbetriebe auf den pflegeleichten, elektrischen Motorenantrieb der Holzbearbeitungsmaschinen um, und die Mühlräder nebst den Teichen verschwanden nach und nach.

