Paul Woldemar Haase wurde als 1. von 8 Kindern des Firmengründers Carl Friedrich Haase und Anna Maria Meerstein am 12. April 1876 in Grießbach geboren. Der Prokurist Friedrich Otto Siegel und Carl Friedrich Haase gründeten 1881 die Firma Siegel & Haase. Die Familie zog 1886 nach Borstendorf. 1905 wurden die beiden ältesten Kinder (Paul Woldemar und Ewald Arthur Haase) in die Firma aufgenommen, in der sie bereits seit Jahren tätig waren. Paul W. Haase heiratete 1905 die Fabrikantentochter Käthe Mehlhorn aus Niederschlema. Dazu ließ Vater Carl Friedrich Haase die Villa Felsburg in Grünhainichen renovieren und das junge Paar hielt darin Einzug. Zusammen hatten sie drei Kinder:
- Maria Martha Margarethe Haase, (geb. 02.04.1907), wohnte später in Grünhainichen. Von 1927 bis zum Konkurs war sie Kommanditistin in der Kommanditgesellschaft Siegel & Haase. Verstorben am 13.10.1938.
- Tochter Elisabeth Dorothea Haase, genannt Dorle oder Dora (geb. 13.06.1909), heiratete 1947 den Wirtschaftsberater Dr. Otto Bennemann. Von 1927 bis zum Konkurs war sie Kommanditistin in der Kommanditgesellschaft Siegel & Haase. Verstorben nach 1997.
- Sohn Karl Friedrich Ernst Werner Haase (geb. 20.03.1911) war von 1927 bis zum Konkurs Kommanditist in der Kommanditgesellschaft Siegel & Haase. Von 1937 bis 1943 war er Mitgesellschafter der Papierfabriken Grünhainichen GmbH. 1941/1942 Betriebsleiter der Zweigniederlassung Bautzen der Papierfabriken Grünhainichen GmbH. Er wurde als normaler Gefreiter 1940 zur Wehrmacht einberufen, war 1942 wohnhaft in Dresden und fiel am 25.03.1943 in Russland an der Ostfront.
1913 wurde diese einzigartige Villa hier in Borstendorf für Familie Paul Haase errichtet. Die Gartenanlage ist 1913 von der Gärtnerei Kaltofen aus Borstendorf aufwendig angelegt worden. Die Art der stahlverstärkten Holznachbildungen auf der Südseite kam ursprünglich aus Frankreich und wurde aber auch hier im Erzgebirge gebaut. Die künstliche Grotte war einst mit Wasser gefüllt. Auf den künstlichen Felsen pflanzte man damals Farne, Moose und Walderdbeeren, welche sich heute noch im Garten finden und sich weit verbreitet haben. Das Nachbilden der Natur hat eine lange Tradition in der Gartengeschichte. Die Grotte sowie die gesamte Anlage waren kulturhistorisch sehr wertvoll. Um die Grotte herum führen 2 Treppen. Der Weg mündete darunter in einen Treppengang, der zu einer überdachten Brücke über den Mühlgraben führte. 1919 wurde die Gartenanlage neu geplant, aber nicht ausgeführt. Paul W. Haase starb am 26.01.1927 mit nur 51 Jahren an Tuberkulose im Gartenpavillon, damit er die Kinder nicht ansteckte.
Käthe Haase unterstützte mit ihrem Privatvermögen die Gründung einer Auffanggesellschaft: Die Fa. Papierfabriken Grünhainichen GmbH, welche die Produktionsanlagen noch vor der Insolvenz der Firma Siegel & Haase (1932) pachtete. Das Konkursverfahren der Firma Siegel & Haase wurde 1933 eröffnet und die Produktionsanlagen von der Auffanggesellschaft ersteigert. Die Villa wurde auch Eigentum der Papierfabriken Grünhainichen GmbH. Durch Verhandlungsgeschick wurde die Übergabe der Firma 1937 in den Besitz der Familie eingeleitet.
1938 gab es die Baugenehmigung für Familie Haase, die Villa in 3 Wohnungen aufzuteilen. Nach 1945 wurde die Familie enteignet. Die Einnahmen aus der Fabrik entfielen. Käthe Haase handelte mit dem hiesigen russischen Kommandanten aus, dass sie und ihre Familie weiter in der Villa wohnen durften. Dieser Mann sicherte ihr auch persönlich Schutz zu. Dr. Bennemann mischte sich jedoch weiter in die Geschicke der Fabrik ein und wurde politisch von deutschen Kommunisten verfolgt, bis hin zum Gefängnisaufenthalt in Bautzen, ohne konkrete Beschuldigung oder ein Verfahren. Als er freigelassen wurde, kamen ihm am Bahnhof Borstendorfer entgegen und warnten ihn vor einer erneuten Verhaftung. Er kehrte um und nahm den nächsten Zug nach Westfalen, woher er ursprünglich stammte. Seine Frau, ihre zwei Kinder und Käthe Haase harrten noch bis zur Gründung der DDR in der Villa aus. Im Gartenpavillon kam in der Nachkriegszeit auch ein unbekannter junger Mann unter, der gegen Kost und Logie für Käthe Haase Klavier spielte.
Finanziell wurde die Familie von Verwandten der Familie Schönherr (Papierfabrik Floßmühle) unterstützt. Dann bekamen sie einen Hinweis, dass die deutschen Kommunisten der Ansicht waren, dass auch diese Familie zu vernichten sei. 1949 machten sich Käthe Haase, Dora Bennemann und ihre beiden Kinder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion auf den Weg nach Westfalen zu Dr. Bennemann. Sohn Volker Bennemann saß damals mit 2 Jahren noch in einem Kinderwagen, dem ein Rad fehlte. Die Damen hatten noch Gold in ihre Kleider eingenäht. Aber alles, was sie mitnahmen, musste in den Kinderwagen passen. Sie verloren sehr viel. Das Familiensilber hatten sie vergraben. Verwandte der Familie von Rainer Hunger (Bäringhaus & Hunger) schickten es ihnen über Westberlin noch nach.
Weitere Besitzer der Villa Paul Haase lt. Grundbucheintrag:
- 1965 VEB Papierfabriken Grünhainichen
- 1992 Papierfabriken Grünhainichen GmbH
- 1999 Ehepaar Kerstin und Peter Hengst
- 2017 Familie Lorenz