Schnaps, Schneider & Schachfiguren

Alte Hausnummer: 43B
T-Nr.: B140

Schnaps, Schneider & Schachfiguren

Alte Hausnummer: 43B
T-Nr.: B140

Das Haus ist in den sächsischen Meilenblättern von 1780 eingezeichnet und vermutlich im Zeitraum zwischen 1750-1780 entstanden. Im Brandversicherungskataster von 1855 wurde der 35-jährige Hausbesitzer und Holzarbeiter Traugott Johann Auerbach als Besitzer des Wohngebäudes mit Zuchtviehstall und unterbautem Keller genannt. Sohn und Holzwarenfabrikant Traugott Moritz Auerbach war der nächste Besitzer. 1895 errichtete er, lt. Bauzeichnung, vermutlich selbst einen neuen Schornstein. In der Ortsliste von 1905 wurde die Materialwarenhandlung (verschiedene Lebensmittel, Sauerkraut, eingelegte Gurken, kleinere Haushaltsgegenstände) erwähnt. Ebenfalls hatte er die Berechtigung Schnaps zu verkaufen. Das Geschäft befand sich im Erdgeschoss neben der rechten Haustür linksseitig. Dahinter befand sich der Stall im Haus. 1922 wurde Moritz Auerbach als „Schippenhauer“ aufgeführt. Dies bezeichnete den Beruf der Herstellung von z.B. Schneeschippen oder Brotschieber, welche u.a. mittels Schäleisen gefertigt wurden. 1927 wurde der um die Jahrhundertwende geborene Sohn Linus Auerbach als Besitzer in der Ortsliste erwähnt. Er führte das Geschäft seines Vaters weiter. Willy Neuhäuser wohnte im Haus Nr. 41 O (Kleesbergstraße 20), er machte sich nach dem 2.Weltkrieg als Schachfigurenschnitzer selbständig und gehörte zu einem der 4 bekannten Schachfigurenschnitzer Borstendorfs. Seine Werkstatt befand sich im Raum hinter dem linken Eingang. Er produzierte hauptsächlich für die Schachbrettfabrik Wittig. Außerdem war er Mitglied im Schnitzverein. Ende der 60er Jahre baute er an seinem Wohnhaus an, sodass er die Werkstatt dann dorthin verlegte. Für einen Schachsatz von 32 Figuren benötigte er 15h. Außerdem war er für seine geschnitzten Schafherden bekannt. 1945 kamen einige Vertriebene aus Böhmen nach Borstendorf, wovon 4-5 Familien miteinander verwandt waren. Der böhmische Schneidermeister Richard Richter, welcher im Krieg ein Bein verloren hatte, lies sich als Mieter mit seiner Familie im Obergeschoss rechts nieder und eröffnete im Wohnzimmer 1946 /47 eine Schneiderwerkstatt. Eine Annonce von 1963 zeigt, dass er dann im Haus Nummer 64 B (Eppendorfer Straße 20) seine Werkstatt hatte. 1953 /54 wurde der Ostgiebel durch Linus Auerbach verkleidet. In den 60er Jahren starb er. Tochter und Lehrerin Erna Auerbach galt als überstudiert, hatte sie doch psychische Probleme, musste ihren Beruf aufgeben und zog Ende der 60er Jahre zu Verwandten nach Dresden. Nach dem Wegzug war Familie Andreas Schreiter der benachbarten Klempnerei nun Besitzer des Hauses, bevor im Jahr 2000 Familie Michael Zinnen Eigentümer wurden. Sie stellen hier im Haus Instrumente her (Monochorde, Flöten, Rahmentrommeln und Didgeridos). Elke Zinnen restauriert alte Erzgebirgsfiguren.

Diese Materialien sind nur hier digital verfuegbar – auf der Tafel selbst ist dafuer kein Platz.

weitere Materialien zu Schnaps, Schneider & Schachfiguren:

Bauzeichnung von 1895 für die Errichtung eines Schornsteins - Besitzer: Holzarbeiter Moritz Auerbach

Die Postkarte von 1913 zeigt ganz rechts die Rückseite des Wohnhauses

 

 

Gemaltes Bild des einstigen Wohnhauses in Birnai/Kreis Ausig-jetzt Usti nad Labem, welche die Werkstatt des Schneidermeisters Richard Richter beherbergte. Im Erdgeschoß befand sich einst ein Friseursalon des Bruders und als dieser 1940 in den Krieg eingezogen wurde, betrieb nebenbei Richard Richter und dessen Frau ein Tabakgeschäft darin. Zwischen dem Haus und dem Berg dahinter befand sich die Elbe. Aus diesem schönen Haus wurde die Familie vertrieben und kam so nach Borstendorf.

Foto von Birnai an der Elbschleife. Das Wohnhaus befand sich im oberen Teil des Fotos rechts.
Schneidermeister Richard Richters Ausmusterungsschein vom 17.August 1943. Er war als 13jähriger auf einen Zug gesprungen, abgerutscht und mitgeschliffen. Seitdem hatte er ein steifes Bein.
Berta Richter mit Tochter Brigitte und Ehemann Richard Richter mit Bügelschnur in der Hand ca.1 Jahr vor der Evakuierung/Vertreibung.
Das Dekret vom 9. August 1945 welches die Aussiedelung der Familie Richter als Sudetendeutschen veranlasst. Es wurde auf der Flucht heimlich mitgenommen. Es sollte nach Anordung eigentlich auf dem Küchentisch liegenbleiben.
Die Abschrift des Dekretes

 

 

Nachträgliche Bauzeichnung zur Veränderung des Giebels 1954 für Herrn Linus Auerbach - er wurde nämlich ohne Baugenehmigung verblendet

Diese Tasse befand sich in einer Zwischendecke - vermutlich alte Bunzlauer Keramik

Fundstücke aus dem Garten des Hauses

Annonce von 1953

Schachfigurenschnitzer Willy Neuhäuser

Frau Neuhäuser sägt die Figuren grob in Form als Vorbereitung für den Schnitzvorgang

Willy Neuhäuser fertigte die Schachfiguren in Serie

Willy Neuhauser hat einst diese Schachfiguren geschnitzt, für einen Schachsatz von 32 Figuren benötigte er 15h

Willy Neuhäuser fertigte hochwertige Schachfiguren an

Annonce von 1963

Dies wurde für die Schacholympiade 2008 von Herrn Michael Zinnen in einer Stückzahl von 50 hergestellt (ELMI Holzkunst)

Vermutlich Willy Neuhaeuser zum Schul-und Heimatfest 1963 auf dem Festwagen vor dem Ärztehaus
vorn v.l.n.r. Brigitte Grießbach, geb. Richter, Vater und Schneidermeister Richard Richter, Mutter Berta, hintere Reihe 2.v.li. Bruder Reinhard - mit ihren Familien-Foto Mitte der 70er Jahre im Garten hinter dem Haus.
Schul-und Heimatfest 1993
Schul-und Heimatfest 1993

Das Haus ist in den sächsischen Meilenblättern von 1780 eingezeichnet und vermutlich im Zeitraum zwischen 1750-1780 entstanden. Im Brandversicherungskataster von 1855 wurde der 35-jährige Hausbesitzer und Holzarbeiter Traugott Johann Auerbach als Besitzer des Wohngebäudes mit Zuchtviehstall und unterbautem Keller genannt. Sohn und Holzwarenfabrikant Traugott Moritz Auerbach war der nächste Besitzer. 1895 errichtete er, lt. Bauzeichnung, vermutlich selbst einen neuen Schornstein. In der Ortsliste von 1905 wurde die Materialwarenhandlung (verschiedene Lebensmittel, Sauerkraut, eingelegte Gurken, kleinere Haushaltsgegenstände) erwähnt. Ebenfalls hatte er die Berechtigung Schnaps zu verkaufen. Das Geschäft befand sich im Erdgeschoss neben der rechten Haustür linksseitig. Dahinter befand sich der Stall im Haus. 1922 wurde Moritz Auerbach als „Schippenhauer“ aufgeführt. Dies bezeichnete den Beruf der Herstellung von z.B. Schneeschippen oder Brotschieber, welche u.a. mittels Schäleisen gefertigt wurden. 1927 wurde der um die Jahrhundertwende geborene Sohn Linus Auerbach als Besitzer in der Ortsliste erwähnt. Er führte das Geschäft seines Vaters weiter. Willy Neuhäuser wohnte im Haus Nr. 41 O (Kleesbergstraße 20), er machte sich nach dem 2.Weltkrieg als Schachfigurenschnitzer selbständig und gehörte zu einem der 4 bekannten Schachfigurenschnitzer Borstendorfs. Seine Werkstatt befand sich im Raum hinter dem linken Eingang. Er produzierte hauptsächlich für die Schachbrettfabrik Wittig. Außerdem war er Mitglied im Schnitzverein. Ende der 60er Jahre baute er an seinem Wohnhaus an, sodass er die Werkstatt dann dorthin verlegte. Für einen Schachsatz von 32 Figuren benötigte er 15h. Außerdem war er für seine geschnitzten Schafherden bekannt. 1945 kamen einige Vertriebene aus Böhmen nach Borstendorf, wovon 4-5 Familien miteinander verwandt waren. Der böhmische Schneidermeister Richard Richter, welcher im Krieg ein Bein verloren hatte, lies sich als Mieter mit seiner Familie im Obergeschoss rechts nieder und eröffnete im Wohnzimmer 1946 /47 eine Schneiderwerkstatt. Eine Annonce von 1963 zeigt, dass er dann im Haus Nummer 64 B (Eppendorfer Straße 20) seine Werkstatt hatte. 1953 /54 wurde der Ostgiebel durch Linus Auerbach verkleidet. In den 60er Jahren starb er. Tochter und Lehrerin Erna Auerbach galt als überstudiert, hatte sie doch psychische Probleme, musste ihren Beruf aufgeben und zog Ende der 60er Jahre zu Verwandten nach Dresden. Nach dem Wegzug war Familie Andreas Schreiter der benachbarten Klempnerei nun Besitzer des Hauses, bevor im Jahr 2000 Familie Michael Zinnen Eigentümer wurden. Sie stellen hier im Haus Instrumente her (Monochorde, Flöten, Rahmentrommeln und Didgeridos). Elke Zinnen restauriert alte Erzgebirgsfiguren.

Diese Materialien sind nur hier digital verfuegbar – auf der Tafel selbst ist dafuer kein Platz.

weitere Materialien zu Schnaps, Schneider & Schachfiguren:

Bauzeichnung von 1895 für die Errichtung eines Schornsteins - Besitzer: Holzarbeiter Moritz Auerbach

Die Postkarte von 1913 zeigt ganz rechts die Rückseite des Wohnhauses

 

 

Gemaltes Bild des einstigen Wohnhauses in Birnai/Kreis Ausig-jetzt Usti nad Labem, welche die Werkstatt des Schneidermeisters Richard Richter beherbergte. Im Erdgeschoß befand sich einst ein Friseursalon des Bruders und als dieser 1940 in den Krieg eingezogen wurde, betrieb nebenbei Richard Richter und dessen Frau ein Tabakgeschäft darin. Zwischen dem Haus und dem Berg dahinter befand sich die Elbe. Aus diesem schönen Haus wurde die Familie vertrieben und kam so nach Borstendorf.

Foto von Birnai an der Elbschleife. Das Wohnhaus befand sich im oberen Teil des Fotos rechts.
Schneidermeister Richard Richters Ausmusterungsschein vom 17.August 1943. Er war als 13jähriger auf einen Zug gesprungen, abgerutscht und mitgeschliffen. Seitdem hatte er ein steifes Bein.
Berta Richter mit Tochter Brigitte und Ehemann Richard Richter mit Bügelschnur in der Hand ca.1 Jahr vor der Evakuierung/Vertreibung.
Das Dekret vom 9. August 1945 welches die Aussiedelung der Familie Richter als Sudetendeutschen veranlasst. Es wurde auf der Flucht heimlich mitgenommen. Es sollte nach Anordung eigentlich auf dem Küchentisch liegenbleiben.
Die Abschrift des Dekretes

 

 

Nachträgliche Bauzeichnung zur Veränderung des Giebels 1954 für Herrn Linus Auerbach - er wurde nämlich ohne Baugenehmigung verblendet

Diese Tasse befand sich in einer Zwischendecke - vermutlich alte Bunzlauer Keramik

Fundstücke aus dem Garten des Hauses

Annonce von 1953

Schachfigurenschnitzer Willy Neuhäuser

Frau Neuhäuser sägt die Figuren grob in Form als Vorbereitung für den Schnitzvorgang

Willy Neuhäuser fertigte die Schachfiguren in Serie

Willy Neuhauser hat einst diese Schachfiguren geschnitzt, für einen Schachsatz von 32 Figuren benötigte er 15h

Willy Neuhäuser fertigte hochwertige Schachfiguren an

Annonce von 1963

Dies wurde für die Schacholympiade 2008 von Herrn Michael Zinnen in einer Stückzahl von 50 hergestellt (ELMI Holzkunst)

Vermutlich Willy Neuhaeuser zum Schul-und Heimatfest 1963 auf dem Festwagen vor dem Ärztehaus
vorn v.l.n.r. Brigitte Grießbach, geb. Richter, Vater und Schneidermeister Richard Richter, Mutter Berta, hintere Reihe 2.v.li. Bruder Reinhard - mit ihren Familien-Foto Mitte der 70er Jahre im Garten hinter dem Haus.
Schul-und Heimatfest 1993
Schul-und Heimatfest 1993

Mai 2023, Grünhainichener Heimatverein e.V., Textarchiv: Bernd Köhler ✝, Bildbearbeitung: Dietmar Ender