Um das Jahr 1746 wurde dieses Anwesen errichtet und als Ölmühlengrundstück aufgeführt. Im Bereich des ehemaligen Rathausvorplatzes befand sich die 1903 abgebrannte Ölmühle, die sogenannte Fuhrmann`sche Mühle. Ursprünglich gehörten offenbar beide Grundstücke zusammen.
Am 4. Februar 1868 erwarb Karl August Rudolph für 1.150 Thaler das Gebäude hier am Standort. Danach war es weiter im Familienbesitz. 1890 kaufte Heinrich Oswald Hunger das Anwesen für 19.000,- Mark. Im oberen Teil des Grundstücks befand sich ein Teich, welcher ein großes Wasserrad antrieb. Die Grube der ehemaligen Radstube hinter dem Gebäude ist immer noch mit Grundwasser gefüllt und war einst offenbar überdacht. Noch heute sieht man im Boden des ehemaligen Maschinenraums im Haus ein 1m tiefes rechteckig gemauertes Becken, welche auf eine mit Wasserkraft angetriebene Transmission hinweist.
1903 wurde der aus Eppendorf stammenden Holzdrechsler Robert Emil Leupold Besitzer. Er stellte hier verschiedene Puppenmöbel her. Seine einzigartige Tenorstimme im Borstendorfer Gesangsverein „Saxonia“ machte ihn bei anderen Chören bekannt. Wie sein Vater wurde auch er „Geigenlob“ genannt. Nach einem weiteren Besitzer wurde das Gebäude 1924 an den Kaufmann aus Klotzsche, Franz Kurt Walter Hennig verkauft, welcher hier im Gebäude Holzspielzeug herstellte. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise drohte mehrfach die Zwangsversteigerung. Seine Frau Marie Hennig, geb. Hempelt brachte am 26. Juni 1928 den Sohn Bodo Hennig zur Welt. 1930 musste Franz Kurt Walter Hennig seinen Betrieb aufgrund Konkurs schließen. 1931 wurde das Anwesen zwangsversteigert. Bereits 1933 erwarb der Chemnitzer Dentist Johannes Fridolin Adalbert Spranger das Gebäude. Weitere 2 Besitzer wurden genannt, bevor 1976 Gunter Nötzel Eigentümer wurde. 1981/82 erfolgte ein Umbau, indem das Fachwerkhaus zurückgebaut und im Erdgeschoß Garagen eingebaut wurden.
Der 3 jährige Bodo Hennig zog nun 1931 nach der Zwangsversteigerung mit seinen Eltern nach Grünhainichen in die Villa „Felsburg“. Der Vater nahm seine frühere Arbeit als Speditionskaufmann auf und bescherte Bodo Hennig eine unbeschwerte Kindheit. Bodo besuchte die Volksschule in Grünhainichen. Auf seinem Schulweg übten kleine Spielzeugmacherbetriebe große Faszination auf ihn aus und er beschloss bereits im Alter von 6 Jahren einmal Spielzeugmacher zu werden.
1942 – 1944 besuchte er die staatliche Spielwaren Fach- und Gewerbeschule in Grünhainichen und erlangte so den Abschluss als Spielzeugmacher. 1944 – 1945 wurde Borstendorf Hennig als Luftwaffenhelfer eingezogen und flüchtete 1946 vor der russischen Besatzungsmacht mit seinen Eltern nach Waal in Bayern. Dort absolvierte er eine Drechslerlehre und erlangte darin auch den Meister. Nebenbei entwarf er erste Puppenmöbel. Später erlangte er mit seiner Manufaktur, welche einzigartige Puppenstuben und Puppenmöbel herstellte, große Bekanntheit. Es wurde u.a. nach London, Amsterdam, New York, San Diego und Sydney exportiert.
Diese Materialien sind nur hier digital verfuegbar – auf der Tafel selbst ist dafuer kein Platz.
weitere Materialien zum Geburtshaus von Bodo Hennig:
Korrektur zum Text: Familie Wendt (später Fa. Wendt & Kühn) und Familie Hennig waren befreundet. Als Johannnes Wendt von den Russen verschleppt worden war, brachte 1946 Walter Hennig seinen Sohn Bodo sowie Olly Wendt`s Sohn Hans schnellstmöglich und heimlich aus der Sowjetzone nach Waal in Bayern, wo sie beide eine Drechsellehre begannen. Erst 1949 konnten auch Bodo`s Eltern die Sowjetzone verlassen.

Das Elternhaus Bodo Hennigs 1926

Villa Felsburg Grunhainichen - Walter Hennig und Sohn Bodo - Foto von 1933

1942 - Bodo auf der Spielzeug-Fachschule Grünhainichen


Winter in Borstendorf

Hausansicht vermutlich Anfang der 70er Jahre

Bodo Hennig bei seinem Hobby am Klavier 2010

Bodo Hennig an der Drehbank 2010

Puppenhaus Villa Classic produziert von 1990 bis 1994
Bodo Hennig Puppenautomaten:

"Die kleine Köchin"

"Die kleine Näherin"

"Die kleine Wäscherin"

Bodo Hennig 2012
Lebenslauf Bodo Hennig
1928
Bodo Hennig wurde am 26. Juni 1928 in Borstendorf im Haus Nr. 28 als fünftes Kind von Marie und Walter Hennig geboren.
Der Vater Walter Hennig war einer der letzten Spielzeugmacher in Borstendorf. Nach dem ersten Weltkrieg kämpfte er verbissen um sein Unternehmen, musste jedoch aufgrund von Inflation und Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden und seinen Betrieb 1930 schließen.
1931
1931 zog Familie Hennig mit dem 3-jährigen Bodo in die „Villa Felsburg“ nach Grünhainichen. Der Vater nahm seine frühere Arbeit als Speditionskaufmann wieder auf und konnte Bodo eine unbeschwerte Kindheit bescheren.
1935
Bodo besuchte die Volksschule in Grünhainichen. Auf dem Schulweg übten kleine Spielzeugmacherbetriebe große Faszination auf ihn aus. So beschloss er bereits mit sechs Jahren Spielzeugmacher zu werden!
1942 – 1944
1942 – 1944 besuchte Bodo die staatliche Spielwarenfachschule in Grünhainichen.
1944 – 1945
1944 wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen. 1945 kehrte er wohlbehalten nach Hause zurück.
1946
Hennigs waren mit Familie Wendt in Grünhainichen wohlbekannt. 1945 war Johannes Wendt von den Russen verschleppt worden und in einem Lager verstorben. Seine Frau Olly Wendt erfuhr zufällig, dass sowohl ihr Sohn Hans, als auch Bodo Hennig ebenfalls nach Russland deportiert werden sollten. Sofort suchte Olly Wendt Bodos Vater auf. Sie bat Walter Hennig, schnellstens und heimlich die beiden Jungs aus der Sowjetzone nach Bayern in Sicherheit zu bringen. Am 7. Januar 1946 machten sich die Drei auf den Weg zum Drechslermeister Gebhard Heinz in Waal. Dort absolvierten Bodo Hennig und Hans Wendt eine Drechslerlehre. Ihre Freundschaft pflegten sie ihr Leben lang.
1948 machte Bodo die Gesellenprüfung. 1950 die Meisterprüfung. Nebenbei entwarf er erste Puppenmöbel.
1949
1949 konnten auch Bodos Eltern die Sowjetzone verlassen. In Dietmannsried im Allgäu pachtete die Familie eine kleine Drechslerei und stellte Spanschachteln für die Allgäuer Käseindustrie her. Schmelzkäse war damals in! So verdiente sich Bodo das Startkapital für die Verwirklichung seines großen Traums: Die Herstellung von Puppenmöbeln.
1950
Gründung der „Drei Könige Spielwarenfabrik“. Nach Entwürfen von Bodo Hennig stellten 3 Mitarbeiter Puppenstuben, Puppenmöbel und Miniaturen her. Die Käsekistchen-Produktion war noch Haupterwerbsquelle.
1951
Erste Teilnahme an der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg mit zweiunddreißig Artikeln. Die Palette reichte von Puppenmöbeln über Holzpferdchen bis zu Krippen. Das Geld reichte noch nicht für schöne Kartonagen. Deshalb machte man aus der Not eine Tugend und verkaufte Einzelmöbel. Der Spielwarenhandel nahm dies begeistert auf.
1954
1954 kaufte er einen Betrieb in Wildpoldsried im schönen Allgäu zur Fertigung von Puppenhäusern, Puppenmöbeln und Zubehör.
Bodo Hennig beschäftigte nun 12 Mitarbeiter. Der Anteil der Puppenmöbel an der Produktion stieg von 10% auf 25%. Das junge Unternehmen hatte jetzt 32 Kunden in Deutschland und der Schweiz.
1957
Die Kundschaft wurde international. Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch aus den USA, Japan und Australien wollten Bodo Hennigs Puppenmöbel!
1959
Bodo Hennig übernahm den Betrieb als alleiniger Inhaber.
1961/1962
Änderung des Firmennamens in „Bodo Hennig – moderne Puppenmöbel“ und Eintragung als GmbH.
1963
Neubau des Betriebsgebäudes in Wildpoldsried.
Das Angebot umfasste nun gut einhundert Artikel. Der Produktionsanteil der Käsekistchen sank auf 15%. Die Zahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stieg auf 30.
1967
Die Käsekistchen-Fabrikation wurde eingestellt.
Heimarbeit wurde eingeführt, denn die Montage der Puppenmöbel ist aufwendig. Man beschäftigte 33 festangestellte Mitarbeiter und 45 Heimarbeiter.
1972
Erweiterung der Werkhalle.
1974
Bodo Hennig beschäftigte 100 Mitarbeiter (39 Festangestellte, 61 Heimarbeiter).
1979
Erweiterung von Fabrikations- und Lagerhalle.
1982
Die Firma wurde in die Bodo Hennig Puppenmöbel GmbH umgewandelt.
1985
Auf der Internationalen Spielwarenmesse Nürnberg präsentierte Bodo Hennig erstmals seinen Puppenherd. Er war aus Zinkdruckguss und mit Bienenwachs-Kerzchen beheizbar. Er wurde zum erfolgreichsten Artikel: Mehr als 250.000 Stück wurden verkauft.
Die Werkhalle wurde erweitert.
1987
Das „Classic-Programm“ wurde vorgestellt. Stilvolle Puppenmöbel für Sammler aus naturbelassenem Bergahornholz. Die Palette reichte vom Biedermeiersofa bis zum Himmelbett. Diese Puppenmöbel werden heute noch produziert.
1991
Bodo Hennig erfand stabile neue Puppenmöbel zum Spielen: Das „Bambino-Programm“ für Kinder ab 3 Jahren. Ganz neu waren die Polster der Stühlchen aus gebeiztem Ahornholz. Diese Puppenmöbel werden heute noch produziert.
1992
Neue Technologien hielten Einzug: Mit Hilfe von CNC-Fräsautomaten und Drechselautomaten entstanden Miniaturen von höchster Qualität und Präzision.
1993
Erweiterung von Werkhalle und Bürogebäudesowie Neubau einer Holzlagerhalle.
Bodo Hennig vertrieb „Die Kleinen“ von Heidi Ott in Deutschland und begann eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der bekannten Schweizer Puppenkünstlerin Heidi Ott.
1994
Nach einem Brand im Produktionsgebäude wurde eine provisorische Fertigungshalle erstellt.
1995 – 1997
Neubau von Büro, Fertigung, Lager und Holzhalle. Im März 1997 wurde das neue Betriebsgebäude bezogen.
2002
Insolvenz der Bodo Hennig Puppenmöbel GmbH. Mit 74 Jahren zog sich Bodo Hennig zurück. Er verkauft edie Lizenz an die Firma nic Spiel + Art GmbH in Laupheim.
2013
Am 29.10.2013 ist Bodo Hennig im Alter von 85 Jahren verstorben.
Anfang der 2020er Jahre wurde die Produktion der Bodo Hennig Puppenmöbel, -stuben eingestellt.

